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Materialien

Ist PLA lebensmittelecht? Was für gedruckte Teile wirklich gilt

Lesezeit

11

Minuten

Autor

Yousef El-Bahrawy

Zuletzt aktualisiert:
31.8.2026

PLA gilt als das harmloseste Filament im 3D-Druck: pflanzlich, biologisch abbaubar, geruchsarm. Daraus wird schnell der Schluss, ein PLA-Druck dürfe bedenkenlos mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Rechtlich und praktisch stimmt das so nicht. Dieser Beitrag zeigt, was PLA lebensmittelecht tatsächlich bedeutet, warum Werkstoff und gedrucktes Bauteil zwei verschiedene Fragen sind, wo die Temperaturgrenze von PLA in der Küche liegt und wann Sie besser auf ein anderes Material wechseln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Werkstoff und Bauteil trennen: Reines PLA gilt als lebensmittelgeeignetes Grundpolymer. Das gedruckte Teil im Auslieferungszustand ist damit noch lange nicht lebensmittelsicher.
  • Rechtlicher Rahmen: Maßgeblich sind die EU-Rahmenverordnung 1935/2004 und die Kunststoff-Verordnung 10/2011. Bewertet wird der fertige Gegenstand, nicht die Filamentspule.
  • Additive entscheiden mit: Farbpigmente, Gleitmittel und Füllstoffe sind häufig nicht für den Lebensmittelkontakt freigegeben. Ungefärbtes Material mit Konformitätsnachweis ist die sicherere Basis.
  • Temperatur ist das K.-o.-Kriterium: PLA erweicht typischerweise im Bereich von etwa 55 bis 60 °C. Spülmaschine, heißes Wasser, heiße Speisen und heißes Fett scheiden damit aus.
  • Grenzen: Für Dauerkontakt, warme Reinigung, fett- oder säurehaltige Lebensmittel und gewerbliche Gastronomie ist PLA das falsche Material. Dort führt an zertifizierten Serienkunststoffen oder Edelstahl kein Weg vorbei.

Ist PLA lebensmittelecht? Die kurze Antwort

PLA ist als Werkstoff lebensmittelgeeignet, ein daraus gedrucktes Bauteil ist es im Auslieferungszustand fast nie. Das Grundpolymer Polylactid wird seit Jahren in Lebensmittelverpackungen eingesetzt und ist grundsätzlich für den Kontakt zugelassen. Ob Ihr konkretes Teil unbedenklich ist, entscheiden dagegen vier weitere Ebenen: die Additive im Filament, der Druckprozess, die Geometrie und die spätere Nutzung samt Reinigung.

Diese Unterscheidung ist der Kern des Themas, und sie wird in Foren und Produktbeschreibungen regelmäßig übersprungen. Ein Hersteller, der ein Filament als lebensmittelecht bewirbt, trifft eine Aussage über das Rohmaterial in seinem Zustand auf der Spule. Was Sie daraus fertigen, unter welchen Bedingungen und wie das Teil danach benutzt wird, liegt außerhalb dieser Aussage. Genau dort scheitern die meisten gut gemeinten Küchenprojekte aus dem 3D-Drucker.

Für Sie heißt das: Die Frage „ist PLA lebensmittelecht" lässt sich seriös nur bauteilbezogen beantworten. Ein Keksausstecher für den privaten Backnachmittag ist ein anderer Fall als eine Portionierhilfe, die in einer Küche täglich benutzt und heiß gereinigt wird. Die folgende Prüfkette zeigt, welche Ebenen dabei zusammenkommen müssen.

Vier Ebenen: Wann ein PLA-Bauteil lebensmittelsicher ist 1. Werkstoff Grundpolymer PLA mit Konformitätsnachweis des Herstellers. Meist erfüllbar 2. Additive Farbpigmente, Füllstoffe und Verarbeitungshilfen im Filament. Häufig offen 3. Fertigung Düse, Materialhistorie im Hotend, Geometrie, Oberfläche. Planbar 4. Nutzung Temperatur, Kontaktzeit, Fett und Säure, Reinigung. Der kritische Punkt Nur wenn alle vier Ebenen stimmen, ist ein Bauteil freigabefähig. Eine Ebene genügt zum Ausschluss. braint3d.com

Abb. 1: Die vier Prüfebenen zwischen Filamentspule und freigegebenem Bauteil (Quelle: Braint3d)

„Wenn uns jemand schreibt, er habe gehört, PLA sei lebensmittelecht, stellen wir immer dieselbe Rückfrage: Was passiert mit dem Teil im Alltag? Kaltes Backblech oder heiße Suppe, das sind zwei völlig verschiedene Projekte, auch wenn dasselbe Filament im Drucker liegt."

– Rajaei Hajiagha Arya, Gründer Braint3d

Was „lebensmittelecht" rechtlich bedeutet

Rechtlich ist „lebensmittelecht" kein Werbebegriff, sondern eine Konformitätsaussage über einen fertigen Gegenstand. In der gesamten EU, also auch in Österreich und Deutschland, gilt dafür die Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 für alle Materialien mit Lebensmittelkontakt, ergänzt durch die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 speziell für Kunststoffe und die Vorgaben zur guten Herstellungspraxis.

Die Kunststoff-Verordnung arbeitet mit einer Positivliste zugelassener Ausgangsstoffe und mit Beschränkungen dafür, wie viel eines Stoffes in Lebensmittel übergehen darf. Dieser Übergang heißt Migration und wird an Prüfkörpern mit Simulanzlösungen gemessen, die typische Lebensmittel nachbilden: wässrig, sauer, alkoholisch, fettig. Ein Bauteil ist nicht deshalb konform, weil sein Rohstoff auf der Liste steht, sondern erst, wenn der fertige Gegenstand die Grenzwerte unter den vorgesehenen Nutzungsbedingungen einhält.

Die Konformitätserklärung und warum sie im 3D-Druck selten mitgeliefert wird

Kunststoffgegenstände für den Lebensmittelkontakt müssen beim Inverkehrbringen von einer schriftlichen Konformitätserklärung begleitet sein. Sie richtet sich an Überwachungsbehörden und Handelspartner, nicht an Endkunden, und beschreibt unter anderem, für welche Lebensmittelarten, welche Temperaturen und welche Kontaktdauer der Gegenstand freigegeben ist. Genau diese drei Angaben fehlen bei einem selbst gedruckten Teil vollständig.

Für den 3D-Druck folgt daraus eine unbequeme, aber saubere Einordnung: Ein Filamenthersteller kann eine Konformitätsaussage für sein Rohmaterial treffen. Sobald Sie daraus einen Gegenstand fertigen und in Verkehr bringen, etwa als Produkt im Shop oder als Ausstattung in einem Gastronomiebetrieb, wandert die Verantwortung für die Konformität des Gegenstands zu Ihnen. Im privaten Gebrauch für den eigenen Haushalt greift dieser Rahmen nicht, das Risiko trägt dann allerdings ebenfalls die Nutzerin oder der Nutzer selbst.

Praxis-Tipp aus der Werkstatt: Fragen Sie beim Filamenthersteller nicht nach „lebensmittelecht", sondern nach dem konkreten Dokument: Gibt es eine Konformitätserklärung nach Verordnung (EU) 10/2011, und für welche Lebensmittelarten, Temperaturen und Kontaktzeiten gilt sie? Kommt darauf keine belastbare Antwort, ist die Angabe auf der Spule für ein Food-Projekt nicht verwertbar.

Biologisch abbaubar heißt nicht lebensmittelecht

Die Herkunft von PLA aus Mais-, Zuckerrohr- oder Kartoffelstärke sagt nichts über die Lebensmittelsicherheit des fertigen Bauteils aus. Kompostierbarkeit ist eine Aussage über die Entsorgung am Ende des Produktlebens, nicht über das Migrationsverhalten während der Nutzung. Beide Eigenschaften werden im Marketing gern vermischt, weil „pflanzlich" und „unbedenklich" im Alltagsverständnis zusammenfallen.

Der praktisch wichtigere Punkt sind die Zusatzstoffe. Handelsübliches Filament besteht nicht aus reinem Polylactid, sondern enthält Farbmasterbatch, Verarbeitungshilfen und je nach Sorte Füllstoffe wie Holz-, Metall- oder Glitzerpartikel. Farbpigmente gehören dabei zu den Stoffen, die am häufigsten nicht für den Lebensmittelkontakt freigegeben sind; entsprechende Freigaben tragen deshalb oft Einschränkungen für bestimmte Farbtöne. Naturbelassenes, ungefärbtes PLA ist die sicherere Ausgangsbasis, ersetzt aber keinen Nachweis, weil sich die genaue Rezeptur von außen nicht beurteilen lässt.

Ein dritter Aspekt betrifft PLA-Sonderformen. PLA+ und ähnliche Modifikationen enthalten Zusätze für höhere Zähigkeit, faserverstärkte Varianten enthalten Verstärkungspartikel, und Recyclingfilamente können Stoffe aus dem Vorleben des Materials mitbringen. Je weiter sich ein Filament vom reinen Grundpolymer entfernt, desto weniger tragfähig ist der Schluss vom Basiswerkstoff auf das fertige Teil. Welche Rolle Material und Bauteilanforderung generell zueinander spielen, ordnet unser Vergleich PETG oder PLA ein.

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Die Temperaturgrenze: wo PLA in der Küche aussteigt

Die praktisch härteste Grenze von PLA im Lebensmittelbereich ist nicht die Chemie, sondern die Wärme. PLA erweicht je nach Typ und Hersteller typischerweise im Bereich von etwa 55 bis 60 °C und verliert dort seine Formstabilität. Damit fallen heiße Speisen, heißes Spülwasser, heißes Fett und der normale Spülmaschinengang als Anwendungsfälle praktisch aus, unabhängig davon, wie gut das Filament zertifiziert ist.

Das ist keine theoretische Einschränkung. Eine Tasse oder ein Portionierlöffel aus PLA übersteht ein Standardprogramm in der Spülmaschine in der Regel nicht formstabil; typische Spülprogramme arbeiten genau in dem Bereich, in dem PLA weich wird. Verstärkt wird der Effekt durch Eigenspannungen aus dem Druckprozess, die sich in der Wärme lösen und das Bauteil zusätzlich verziehen. Ein verzogenes Teil ist nicht nur unbrauchbar, es bekommt an den Verformungsstellen auch neue Spalten und Risse, in denen sich Reste festsetzen.

Temperaturbereiche: Wo PLA im Lebensmittelumfeld noch trägt unter 40 °C 40 bis 55 °C etwa 55 bis 60 °C über 60 °C Formstabil Kalte Speisen, Teig, Handspülen mit lauwarmem Wasser und Seife. Grenzbereich Dünne Wände und längere Wärmeeinwirkung werden kritisch. Erweichung PLA verliert Steifigkeit, Eigenspannungen lösen sich, Bauteile verziehen. Nicht geeignet Spülmaschine, heißes Wasser, heiße Speisen, heißes Fett, Backofen. Richtwerte für Standard-PLA. Die genaue Lage des Erweichungsbereichs hängt von Filamenttyp, Hersteller und Druckparametern ab. Im Zweifel gilt der niedrigere Wert. braint3d.com

Abb. 2: Qualitative Einordnung der Temperaturbereiche für PLA im Lebensmittelumfeld (Quelle: Braint3d)

Feuchtigkeit und Zeit: der zweite Effekt

PLA ist ein Polyester, der auf Abbau durch Hydrolyse ausgelegt ist. Genau die Eigenschaft, die das Material kompostierbar macht, arbeitet im Dauereinsatz gegen Sie: Warme, feuchte Bedingungen beschleunigen den Kettenabbau, das Material wird über Wochen und Monate spröder und bekommt feine Risse. Für ein Ausstellungsmodell im Innenraum spielt das keine Rolle, für ein Teil, das regelmäßig gespült und wieder benutzt wird, sehr wohl.

Praxis-Tipp aus der Werkstatt: Tempern erhöht durch Nachkristallisation die Wärmeformbeständigkeit von PLA spürbar, und genau deshalb wird es in Foren als Lösung für die Spülmaschine gehandelt. Rechnen Sie dabei mit Schwund und Verzug im Zehntelmillimeterbereich, planen Sie Passmaße entsprechend, und behalten Sie im Kopf: Tempern verändert die Wärmeformbeständigkeit, nicht die Frage nach Additiven und Migration.

Vom Filament zum Bauteil: was der Druckprozess beiträgt

Zwischen einem konformen Filament und einem hygienisch vertretbaren Bauteil liegt der Drucker selbst, und der ist in den meisten Fällen der unkontrollierteste Teil der Kette. Drei Faktoren sind dabei relevant: das Material der Düse, die Materialhistorie im Schmelzbereich und die Oberfläche, die der schichtweise Aufbau erzeugt.

Düse und Materialhistorie

Standarddüsen im FDM-Druck (Fused Deposition Modeling, Filament-Druck) bestehen üblicherweise aus Messing, und Messinglegierungen können Blei enthalten. Da sich Düsen im Betrieb abnutzen, gelangt Abrieb prinzipiell in den Materialstrom. Für ein Bauteil mit Lebensmittelkontakt ist eine Düse aus gehärtetem Stahl oder Edelstahl die sauberere Wahl. Dazu kommt die Historie des Hotends: In einem Gerät, in dem zuvor faserverstärkte oder eingefärbte Filamente verarbeitet wurden, bleiben Reste im Schmelzbereich zurück und wandern in die ersten Meter des neuen Materials.

Schichtrillen, Mikroporen und Reinigbarkeit

Der schichtweise Aufbau hinterlässt Rillen und stellenweise kleine Hohlräume zwischen den Bahnen, üblicherweise in Schichthöhen von 0,1 bis 0,3 mm. Diese Struktur ist der meistgenannte Kritikpunkt an gedruckten Küchenhelfern, wird aber häufig überzeichnet: Warmes Wasser mit Spülmittel senkt die Oberflächenspannung so weit, dass die Lauge auch in feine Rillen eindringt, und entfernt bei zugänglichen Flächen den Großteil der Verschmutzung. Kritisch sind nicht die Rillen an sich, sondern Geometrien, an die man beim Reinigen nicht herankommt: Hohlräume, Sacklöcher, enge Spalten, scharfe Innenecken.

„Wir bewerten bei Food-Anfragen zuerst die Geometrie, nicht das Filament. Ein flacher Ausstecher mit durchgehenden Wänden lässt sich unter fließendem Wasser komplett erreichen. Ein Griff mit Hohlkammer bekommen Sie nie wieder sauber, egal aus welchem Material er gedruckt ist."

– El-Bahrawy Yousef, Gründer Braint3d

Praxis-Tipp aus der Werkstatt: Konstruieren Sie Teile mit Lebensmittelkontakt reinigungsgerecht: durchgehend massive oder vollständig geschlossene Wände statt Hohlkammern, Innenecken mit Radius statt scharfer Kante, keine Sacklöcher und keine Schriftzüge auf Kontaktflächen. Eine hohe Anzahl an Konturlinien und eine reduzierte Schichthöhe auf den Kontaktflächen kosten Druckzeit, sparen aber die halbe Nachbearbeitung.

Nachbearbeitung und Beschichtung: was wirklich hilft

Nachbearbeitung verbessert die Reinigbarkeit eines PLA-Bauteils deutlich, macht aus einem nicht konformen Teil aber kein lebensmittelechtes. Schleifen und Glätten schließen die Oberfläche und reduzieren die Rillen, an denen sich Reste halten. Eine Versiegelung geht einen Schritt weiter und erzeugt eine geschlossene Hülle. Beides verschiebt die entscheidende Frage allerdings nur: Ab dann muss das Beschichtungsmaterial für den Lebensmittelkontakt geeignet sein, und die Schicht muss dauerhaft halten.

Bei PLA fällt zusätzlich der übliche Weg weg, den man von anderen Materialien kennt: Chemisches Glätten mit Lösungsmitteln funktioniert bei PLA nicht in der Form wie etwa bei ABS mit Aceton. Es bleiben mechanisches Schleifen und beschichtende Verfahren. Welche Methode zu welchem Bauteil passt, ordnet unser Beitrag 3D-Druck glätten ein; einen Überblick über alle Verfahrensschritte gibt die 3D-Druck-Nachbearbeitung im Überblick.

Kritisch bleibt die Dauerhaftigkeit. Eine Versiegelung, die reißt, splittert oder sich an einer Kante ablöst, legt die darunterliegende, ungeprüfte Struktur frei, und zwar genau dort, wo Reste sitzen. Bei Bauteilen, die regelmäßig benutzt und gereinigt werden, ist eine Beschichtung deshalb ein Wartungsteil, kein Dauerzustand. In vielen Projekten ist der ehrliche Vergleich am Ende dieser: Der Aufwand für Schleifen, Beschichten und regelmäßiges Nachprüfen liegt höher als der Wechsel auf ein Material, das die Anforderung von sich aus besser erfüllt.

Wann PLA passt und wann Sie besser wechseln

PLA ist im Lebensmittelumfeld dort eine vertretbare Wahl, wo der Kontakt kalt, kurz und die Reinigung einfach ist. Klassische Beispiele sind Keksausstecher, Prägestempel für Teig, Schablonen, Portionierhilfen für kalte Zutaten sowie Positivmodelle, von denen später in lebensmittelechtem Silikon abgeformt wird. Sobald Wärme, Fett, Säure oder Dauerkontakt ins Spiel kommen, ist der Materialwechsel die bessere Antwort.

AnwendungEinordnung für PLABessere Alternative
Keksausstecher, TeigstempelVertretbar bei ungefärbtem Material, glatter Geometrie und HandspülungEdelstahl bei gewerblicher Nutzung
Schablonen, Halterungen ohne DirektkontaktUnproblematisch, kein Lebensmittelkontakt im engeren SinnKein Wechsel nötig
Trinkgefäße, Geschirr, BesteckNicht geeignet, Wärme und DauerkontaktZertifizierter Serienkunststoff, Keramik, Edelstahl
Formen für heiße Massen, BackofenNicht geeignet, Erweichung deutlich unter BacktemperaturSilikon, Metallform
Urmodell für SilikonabformungGut geeignet, kein direkter LebensmittelkontaktSLA-Druck bei sehr feinen Details
Gewerbliche Küche, LebensmittelproduktionNicht geeignet, Nachweis- und ReinigungspflichtenZertifizierte Serienmaterialien, Edelstahl

Im direkten Materialvergleich schneidet PETG (Polyethylenterephthalat-Glykol) für den Lebensmittelbereich in fast allen Punkten besser ab, weil es mehr Wärmereserve mitbringt und in zertifizierten Varianten breiter verfügbar ist. Die Details dazu haben wir im Beitrag PETG lebensmittelecht aufgeschlüsselt. Auch dort gilt allerdings dieselbe Grundregel: Ein geeigneter Werkstoff ist die erste Bedingung, nicht die einzige.

Entscheidungsbaum: PLA oder anderes Material für Lebensmittelkontakt Kommt das Bauteil direkt mit Lebensmitteln in Berührung? Nein PLA unbedenklich einsetzbar: Halterungen, Schablonen, Modelle, Urmodelle. Ja Heiße Speisen, heißes Fett oder Reinigung über 55 °C? Ja PLA ungeeignet. Zertifiziertes PETG, Serienkunststoff, Silikon oder Edelstahl. Nein Ungefärbtes Filament mit Nachweis, reinigbare Geometrie und sauberer Drucker vorhanden? Nein Nicht freigeben. Erst Material, Geometrie und Fertigungsbedingungen klären, dann neu bewerten. Ja PLA im Einzelfall vertretbar: kalter, kurzer Kontakt mit einfacher Handreinigung. braint3d.com

Abb. 3: Entscheidungsweg vom Anwendungsfall zur Materialwahl (Quelle: Braint3d)

Wo das Verfahren an Grenzen stößt: Für Bauteile mit Dauerkontakt zu Lebensmitteln, für warme Reinigung, für fett- oder säurehaltige Medien und für jede gewerbliche Anwendung mit Nachweispflicht ist PLA aus dem 3D-Drucker das falsche Material. Dort brauchen Sie zertifizierte Serienkunststoffe, Silikon oder Edelstahl, in der Regel aus klassischer Fertigung. Wir sagen Ihnen das im Erstgespräch ehrlich und schlagen den passenden Weg vor, auch wenn er nicht durch unseren Drucker führt.

Zwischen Einzelstück und Serienwerkzeug bleibt der 3D-Druck trotzdem oft der wirtschaftliche Weg, etwa wenn Sie ein Küchenprodukt vor dem Serienstart in Form und Handhabung testen wollen. Für Stückzahlen von 1 bis 5.000 Stück ist die Kleinserienfertigung im 3D-Druck in vielen Fällen die Brücke; die Materialfrage klären wir dabei vorab in der Material- und Verfahrensberatung.

Material- und Verfahrensberatung

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Beschreiben Sie uns Anwendung, Kontaktdauer und Reinigung, und wir sagen Ihnen, welches Material und welches Verfahren dazu passen. Das Erstgespräch inklusive Dateicheck ist kostenlos und unverbindlich, telefonisch erreichen Sie uns unter +43 670 6590066.

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Häufige Fragen zu PLA und Lebensmittelkontakt

Ist PLA lebensmittelecht?

Das Grundpolymer PLA gilt als lebensmittelgeeignet und wird in Verpackungen eingesetzt. Ein gedrucktes Bauteil ist damit nicht automatisch lebensmittelecht: Farbpigmente und Additive im Filament, der Druckprozess, die Geometrie und die spätere Nutzung entscheiden mit. Bewertet wird immer der fertige Gegenstand, nicht das Rohmaterial.

Darf ich einen Keksausstecher aus PLA benutzen?

Für den privaten Gebrauch ist das der plausibelste PLA-Anwendungsfall: kalter Teig, kurze Kontaktzeit, einfache Reinigung. Sinnvoll sind ungefärbtes Filament, eine flache Geometrie ohne Hohlräume, ein sauberer Drucker und Handspülung mit lauwarmem Wasser. Für gewerbliches Backen ist Edelstahl die richtige Wahl.

Ist PLA spülmaschinenfest?

Nein. PLA erweicht typischerweise im Bereich von etwa 55 bis 60 °C, und übliche Spülprogramme arbeiten in genau diesem Bereich oder darüber. Teile verziehen sich, verlieren Passmaße und bekommen an den Verformungsstellen neue Spalten. Reinigen Sie PLA-Teile von Hand mit lauwarmem Wasser und Spülmittel.

Ist ungefärbtes PLA sicherer als eingefärbtes?

Ungefärbtes, naturbelassenes PLA ist die sicherere Ausgangsbasis, weil Farbpigmente zu den Zusatzstoffen gehören, die häufig nicht für den Lebensmittelkontakt freigegeben sind. Ein Nachweis ersetzt das nicht: Auch naturbelassenes Filament enthält Verarbeitungshilfen, deren Zusammensetzung sich von außen nicht beurteilen lässt.

Macht eine Beschichtung einen PLA-Druck lebensmittelecht?

Eine Versiegelung verbessert die Reinigbarkeit deutlich, verlagert die Frage aber auf das Beschichtungsmaterial: Dieses muss selbst für Lebensmittelkontakt geeignet sein und dauerhaft halten. Risse oder abgeplatzte Stellen legen die ungeprüfte Struktur frei. Eine Beschichtung ist damit ein Wartungsthema, keine dauerhafte Freigabe.

Welches Material eignet sich besser als PLA für Lebensmittelkontakt?

PETG in zertifizierten Varianten bringt mehr Wärmereserve mit und ist im 3D-Druck die naheliegendere Wahl. Für heiße Anwendungen, Dauerkontakt oder gewerbliche Nutzung führt der Weg zu zertifizierten Serienkunststoffen, lebensmittelechtem Silikon oder Edelstahl. Welche Option trägt, hängt von Temperatur, Kontaktdauer und Stückzahl ab.

Fazit: PLA ist als Werkstoff lebensmittelecht, als Bauteil nur selten

Die Antwort auf die Frage „ist PLA lebensmittelecht" lautet: als Grundpolymer ja, als gedrucktes Bauteil nur unter Bedingungen, die in der Praxis oft nicht erfüllt sind. Entscheidend sind die Additive im Filament, die Sauberkeit und Ausstattung des Druckers, eine reinigungsgerechte Geometrie und vor allem die Temperatur im Einsatz. Wo Wärme, Fett, Säure oder Dauerkontakt ins Spiel kommen, ist der Wechsel auf ein anderes Material die ehrlichere Lösung als jede nachträgliche Beschichtung. Wenn Sie ein Produkt in Serie planen, lohnt der Blick auf die Kleinserienfertigung, in der Material und Verfahren von Anfang an zur Anwendung passen.

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Rajaei Hajiagha Arya & El-Bahrawy Yousef

Gründer, Braint3d OG

Rajaei Hajiagha Arya und El-Bahrawy Yousef sind die Gründer der Braint3d OG in Wien. Ihr Team begleitet Industriekunden, Entwickler und Privatkunden von der Idee bis zum fertigen Bauteil: 3D-Scan, CAD-Konstruktion, FDM- und SLA-Druck von 1 bis 5.000 Stück sowie Reparatur und Wartung von 3D-Druckern, unter anderem in Partnerschaft mit der Stadt Wien im Bildungsbereich. Jede Anfrage startet mit einem kostenlosen Erstgespräch inklusive Dateicheck.

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