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Konstruktion & Design

Infill im 3D-Druck: Warum Wandstärke und Druckrichtung mehr zählen als Prozent

Lesezeit

11

Minuten

Autor

Yousef El-Bahrawy

Zuletzt aktualisiert:
16.10.2026

Ein Halter bricht an der Schichtgrenze, ein Clip reißt nach drei Montagen, ein Gehäuse gibt unter der Schraube nach: Fast immer liegt die Ursache nicht am Material, sondern an Infill, Wandstärke oder Druckrichtung. Beim Infill im 3D-Druck wird gern nur an der Prozentzahl gedreht, obwohl die Wände und die Lage im Bauraum meist mehr bewirken. Dieser Beitrag zeigt, welche Stellschrauben die Festigkeit Ihres Bauteils wirklich bestimmen, welche Richtwerte sich in der Praxis bewährt haben, welche Toleranzen realistisch sind und wo der 3D-Druck an seine Grenzen kommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wände vor Infill: Bei FDM-Teilen tragen die Wandlinien (Perimeter) den Großteil der Last; mehr Wandlinien bringen meist mehr Festigkeit als ein höherer Infill-Grad.
  • Infill-Grad: Für die meisten Teile reichen 10–15 %, für Funktionsteile mit Druckbelastung sind 30 % und mehr sinnvoll; 100 % ist nur in Sonderfällen die beste Wahl.
  • Druckrichtung: FDM-Teile sind in Z-Richtung, also quer zu den Schichten, am schwächsten. Die Lage im Bauraum muss zur Belastung passen.
  • Toleranzen: Braint3d gibt für FDM ±0,15 mm bzw. ±0,1 % bei größeren Maßen an, für SLA ±0,1 mm. Passungen brauchen eingeplantes Spiel.
  • Grenzen: Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen, dauerhafter Wechsellast oder Stückzahlen über 5.000 sind Spritzguss, Zerspanung oder ein Metallbauteil oft die bessere Lösung.

Wovon die Festigkeit eines 3D-Druckteils wirklich abhängt

Die Festigkeit im 3D-Druck hängt von vier Faktoren ab, die zusammenwirken: der Hülle aus Wandlinien und Deckschichten, dem Infill als innerer Stützstruktur, der Druckrichtung relativ zur Belastung und dem Material samt Konstruktion. Wer nur einen Faktor optimiert, verschenkt Potenzial; wer alle vier aufeinander abstimmt, bekommt oft ein deutlich belastbareres Teil bei gleicher Druckzeit.

Beim FDM-Verfahren (Fused Deposition Modeling, Filament-Druck) legt die Düse jede Schicht aus einzelnen Kunststoffbahnen ab. Typisch sind 0,4 mm breite Bahnen: Zuerst entstehen die Außenwände, dann füllt das Infill den Innenraum, oben und unten schließen massive Deckschichten das Bauteil ab. Ein Bauteil aus dem FDM-Drucker ist also kein Vollkörper wie ein Frästeil, sondern eine Schale mit Innenstruktur.

Für Sie heißt das: Wenn ein Teil bricht, lohnt die Frage, welche dieser Zonen versagt hat. Reißt das Teil entlang einer Schichtlinie, war meist die Druckrichtung das Problem. Bricht die Außenhaut ein oder drückt sich eine Schraube durch, fehlen Wandlinien oder Deckschichten. Der Infill-Grad ist erst die dritte Frage, nicht die erste.

Aufbau eines FDM-Bauteils im Querschnitt Top- und Bottom-Schichten geschlossene Deckflächen, schützen vor Eindrücken Wandlinien (Perimeter) tragen den Großteil der Last bei Biegung, Zug und Torsion Infill innere Stützstruktur, wirkt vor allem gegen Druck und stützt die Deckschichten Beispiel: drei Wandlinien bei 0,4 mm Düse ergeben rund 1,2 mm Wandstärke braint3d.com

Abb. 1: Hülle und Kern eines FDM-Bauteils, schematisch (Quelle: Braint3d)

Infill im 3D-Druck: welcher Grad und welches Muster wirklich nötig sind

Für die meisten Bauteile reicht beim Infill im 3D-Druck ein Füllgrad von 10–15 %; mehr als 30 % brauchen nur Teile, die auf Druck belastet werden, besonders steif oder schwer sein sollen. Ein höherer Infill-Grad kostet vor allem Druckzeit und Material, während der Festigkeitsgewinn bei Biegung und Zug deutlich geringer ausfällt als bei zusätzlichen Wandlinien.

Diese Einordnung deckt sich mit der Dokumentation von Prusa Research: Laut der Prusa-Wissensdatenbank zum Thema Infill wird die Festigkeit eines Modells überwiegend durch die Anzahl der Perimeter bestimmt, nicht durch das Infill; das Infill hilft vor allem bei der Druckfestigkeit. Andere Ratgeber setzen die Spanne für Standarddrucke etwas höher an, bei 15–50 %, und empfehlen über 50 % für Funktionsteile. Beide Sichtweisen passen zusammen, wenn man den Einsatzzweck mitdenkt.

Infill-Grad nach Einsatzzweck

Ein Anschauungsmodell im Besprechungsraum braucht kaum Füllung, ein Montagehalter in der Produktionshalle dagegen schon. In der folgenden Tabelle haben wir die Richtwerte zusammengefasst, die sich in unserer Wiener Werkstatt für typische Bauteilklassen bewährt haben. Es sind Startwerte für die Abstimmung, keine Normwerte; die endgültige Einstellung hängt von Geometrie, Material und Belastung ab.

EinsatzzweckInfill-Grad (Richtwert)Wandlinien (Richtwert)Worauf es ankommt
Anschauungs- und Designmodell0–15 %2Oberfläche, geringes Gewicht, kurze Druckzeit
Gehäuse, Abdeckung, Prototyp10–20 %3Formstabilität, saubere Deckflächen
Funktionsteil mit Biegung oder Zug20–40 %4 oder mehrWandlinien und Druckrichtung zuerst
Teil unter Druck, Klemmung, Schraubpunkt40 % und mehr, lokal verstärkt4 oder mehrDruckfestigkeit, kein Nachgeben unter Last

Infill-Muster: Gyroid, Kubisch, Gitter und Co.

Das Infill-Muster bestimmt, in welche Richtungen die Innenstruktur trägt. Einfache Linien- oder Gittermuster sind schnell gedruckt, stützen aber vor allem in der Ebene. Räumliche Muster wie Gyroid (eine wellenförmige, in alle Richtungen ähnlich steife Struktur) oder Kubisch (gestapelte, schräg liegende Würfel) verteilen Kräfte gleichmäßiger in alle drei Raumrichtungen. Spezialmuster wie Lightning-Infill stützen nur die Deckflächen und sind ausdrücklich nicht für belastete Teile gedacht.

MusterStärkenSchwächenTypischer Einsatz
Linien / Rechtlinigschnell, materialsparendträgt fast nur in der EbeneAnschauungsmodelle
Gitter / Dreieckesolide Steifigkeit in der EbeneKreuzungspunkte können den Druckkopf berührenGehäuse, Abdeckungen
Kubischträgt in allen drei Raumrichtungenetwas längere DruckzeitFunktionsteile, Halter
Gyroidgleichmäßige Kraftverteilung, auch für flexible Materialienhöherer Rechen- und DruckaufwandFunktionsteile, TPU-Teile
Lightningextrem schnell und leichtnicht für Lasten ausgelegtreine Sichtmodelle

Praxis-Tipp aus der Werkstatt: Statt das ganze Bauteil auf 60 % Infill zu setzen, verstärken wir nur die Zonen, die Last aufnehmen, etwa rund um Schraubpunkte oder Lagerstellen. Moderne Slicer erlauben dafür lokale Modifier. Das Teil wird dort fest, wo es fest sein muss, und Druckzeit wie Gewicht bleiben im Rahmen.

Wandstärke und Wandlinien: der wirksamste Hebel für stabile Teile

Die Wandstärke im 3D-Druck ist bei FDM-Funktionsteilen der wirksamste Einzelhebel für Festigkeit: Bei Biegung, Zug und Torsion sitzen die höchsten Spannungen an der Außenseite eines Bauteils, also genau dort, wo die Wandlinien liegen. Drei bis vier Wandlinien bei einer 0,4-mm-Düse, also rund 1,2 bis 1,6 mm, sind für Funktionsteile ein bewährter Ausgangspunkt.

Die Wandstärke sollte sich dabei sauber durch die Bahnbreite teilen lassen. Eine Wand von 1,0 mm bei 0,4-mm-Bahnen zwingt den Slicer zu Kompromissen, etwa zu dünnen Füllbahnen mit schlechter Haftung; 1,2 oder 1,6 mm lassen sich dagegen mit ganzen Bahnen aufbauen. Formlabs nennt in seinem Leitfaden zur Mindestwandstärke für FDM etwa 1 mm als Untergrenze und empfiehlt ebenfalls Wandstärken, die ein Vielfaches des Düsendurchmessers sind. Für SLA (Stereolithografie, Resin-Druck) liegen die möglichen Wandstärken deutlich darunter.

Wandlinien richtig dimensionieren

Zwei Wandlinien reichen für Designmodelle, für belastete Teile planen wir in der Regel vier oder mehr. Ab einer gewissen Wandstärke lohnt sich die Frage, ob nicht gleich ein Vollkörper gedruckt werden sollte: Bei kleinen, dünnwandigen Teilen wie Clips oder Laschen besteht der Querschnitt ohnehin fast nur aus Wandlinien. Hier entscheidet dann die Druckrichtung über die Belastbarkeit, nicht mehr der Infill-Grad.

Top- und Bottom-Schichten nicht vergessen

Die massiven Deckschichten oben und unten schließen das Infill ein und verhindern, dass sich Kräfte von außen direkt auf die Innenstruktur übertragen. Als Richtwert planen wir für Funktionsteile eine Deckschicht-Stärke von mindestens rund 0,8 bis 1,2 mm, bei 0,2 mm Schichthöhe also vier bis sechs Schichten. Zu dünne Deckschichten erkennen Sie daran, dass sich das Infill-Muster an der Oberfläche abzeichnet oder die Fläche unter Fingerdruck nachgibt.

„Wenn uns jemand ein gebrochenes Teil mit 80 Prozent Infill bringt, schauen wir zuerst auf die Bruchkante. In den meisten Fällen ist es entlang einer Schicht gerissen. Mehr Infill hätte daran nichts geändert, eine andere Lage im Drucker und zwei Wandlinien mehr schon.“

– Rajaei Hajiagha Arya, Gründer Braint3d

Druckrichtung und Anisotropie: warum dasselbe Teil zweimal verschieden hält

FDM-Bauteile sind anisotrop, ihre Festigkeit hängt also von der Richtung ab: Innerhalb einer Schicht, entlang der Bahnen, sind sie am belastbarsten, quer zu den Schichten in Z-Richtung halten sie am wenigsten, weil die Schichten nur über ihre Haftung aneinander gebunden sind. Die Druckrichtung muss deshalb so gewählt werden, dass die Hauptlast entlang der Schichten wirkt, nicht quer dazu.

Ein typisches Beispiel ist ein L-förmiger Wandhalter. Stehend gedruckt, liegen die Schichten quer zum Arm; unter Last öffnet sich die Schichtfuge an der Innenecke, und das Teil bricht sauber entlang einer Linie. Liegend gedruckt, verlaufen die Bahnen durch die Ecke hindurch, und dasselbe Material trägt deutlich mehr. Bei Bauteilen mit mehreren Lastrichtungen hilft manchmal nur ein Kompromiss oder eine Teilung in zwei Komponenten.

Druckrichtung entscheidet: gleiches Teil, andere Festigkeit Liegend gedruckt Stehend gedruckt Last Schichten verlaufen entlang des Arms, die Bahnen tragen die Biegung Belastbar Last Schichtfuge öffnet sich Biegung zieht die Schichten auseinander Bruchrisiko an der Schichtgrenze braint3d.com

Abb. 2: Derselbe Haltearm, zwei Druckrichtungen, schematisch (Quelle: Braint3d)

FDM: Schichthaftung als Schwachstelle

Wie gut die Schichten aneinander haften, hängt neben der Druckrichtung von Material, Düsen- und Bauraumtemperatur sowie Kühlung ab. Werkstoffe wie ABS oder ASA reagieren empfindlich auf Temperaturunterschiede, was die Schichthaftung schwächen und Verzug begünstigen kann. Konkrete Festigkeitswerte in Z-Richtung schwanken je nach Material, Hersteller und Druckparametern stark; seriös lässt sich das nur am konkreten Bauteil oder über Datenblätter mit Angaben zur Prüfrichtung beurteilen.

SLA: nahezu richtungsunabhängig

Beim SLA-Verfahren härtet ein Laser flüssiges Harz Schicht für Schicht aus, wobei sich die Schichten chemisch miteinander verbinden. Formlabs hat dazu Zugversuche an Proben in verschiedenen Winkeln von 0 bis 90 Grad veröffentlicht und beschreibt SLA-Teile in seinem Beitrag zur Validierung von Isotropie beim SLA-3D-Druck als faktisch isotrop. Das ist ein Herstellertest mit einem Harz; die Tendenz entspricht aber unserer Erfahrung. Wenn Ihr Bauteil in mehrere Richtungen belastet wird und klein genug ist, kann SLA deshalb die bessere Wahl sein. Mehr dazu lesen Sie in unserem Praxisvergleich FDM oder SLA.

Kostenloser Dateicheck für Funktionsteile

Ihr Teil soll halten? Wir legen Druckrichtung und Parameter fest.

Senden Sie uns Ihre CAD-Datei und beschreiben Sie, wie das Bauteil belastet wird. Wir prüfen Wandstärken, Druckrichtung und Material und sagen Ihnen ehrlich, ob FDM, SLA oder ein anderes Fertigungsverfahren passt. Erstgespräch und Dateicheck sind kostenlos.

Jetzt anfragen

Konstruktion und Material: Radien, Rippen und der passende Werkstoff

Ein stabiles 3D-Druckteil entsteht schon im CAD: Scharfe Innenecken, sprunghafte Wandstärkenwechsel und lange, unverrippte Flächen schwächen jedes Bauteil, egal mit welchem Infill es gedruckt wird. Wer Radien vorsieht, Lasten über Rippen verteilt und das Material passend zur Belastung wählt, gewinnt mehr Festigkeit als mit jedem Slicer-Parameter.

Radien und Rippen statt Masse

An einer scharfen Innenecke konzentrieren sich Spannungen; schon ein kleiner Radius verteilt sie auf eine größere Fläche. Bei FDM-Teilen hat der Radius noch einen zweiten Effekt: Die Wandlinien laufen sauber um die Ecke, statt dort abzureißen. Rippen versteifen flache Bereiche, ohne dass die ganze Wand dicker werden muss. Als Faustregel konstruieren wir Rippen so, dass sie aus ganzen Bahnbreiten bestehen, bei 0,4-mm-Düse also zum Beispiel 0,8 oder 1,2 mm stark.

Gewinde direkt in den Kunststoff zu schneiden, ist bei häufig gelösten Verbindungen selten eine gute Idee. Stabiler sind eingeschmolzene oder eingepresste Gewindeeinsätze, die wir in einem eigenen Beitrag zu Gewindeeinsätzen in 3D-Druckteilen ausführlich beschreiben. Rund um den Einsatz planen wir zusätzliche Wandlinien, damit die Kraft nicht direkt ins Infill geht.

Material passend zur Belastung

PLA ist steif und einfach zu drucken, wird aber schon bei moderaten Temperaturen weich. PETG ist zäher und verzeiht Schläge besser, ABS und ASA halten mehr Wärme aus, technische Werkstoffe wie Polyamid (PA) oder Polycarbonat (PC) und faserverstärkte Filamente kommen bei höheren Anforderungen ins Spiel. Welche Kennwerte ein Werkstoff erreicht, hängt von Hersteller und Druckparametern ab; wir richten uns nach den Datenblättern des jeweiligen Filaments und prüfen kritische Teile am Probedruck.

Praxis-Tipp aus der Werkstatt: Schicken Sie uns zusätzlich zur Datei ein Foto vom Einbauort oder vom gebrochenen Altteil. An Bruchbild und Einbausituation erkennen wir oft sofort, ob die Druckrichtung, die Wandstärke oder das Material das eigentliche Problem war.

Wo das Verfahren an Grenzen stößt: Auch optimal eingestellte FDM-Teile bleiben anisotrop und erreichen in Z-Richtung nicht die Festigkeit eines Spritzgussteils aus vergleichbarem Kunststoff. Für sicherheitsrelevante Bauteile, dauerhaft wechselnde Lasten mit hohen Zyklenzahlen oder zertifizierungspflichtige Komponenten sind Spritzguss, ein gefrästes Teil oder ein Metallbauteil die verlässlichere Lösung. Auch oberhalb von 5.000 Stück rechnet sich meist ein Serienwerkzeug. Das sagen wir Ihnen im Erstgespräch offen, auch wenn der Auftrag dann nicht bei uns landet.

Toleranzen im 3D-Druck: Maßhaltigkeit planen statt nacharbeiten

Realistische Toleranzen im 3D-Druck liegen bei Braint3d für FDM bei ±0,15 mm, bei größeren Maßen bei ±0,1 % der Abmessung; für SLA bei ±0,1 mm für kleine Details, zuzüglich ±0,1 % bei größeren Maßen. Für Passungen bedeutet das: Spiel muss in der Konstruktion eingeplant werden, sonst passt das Teil zwar auf dem Bildschirm, aber nicht in der Baugruppe.

Passungen und Spiel richtig einplanen

Für Steck- und Schiebepassungen planen wir als Richtwert 0,2 bis 0,3 mm Spiel pro Seite, für bewegliche Teile wie Scharniere eher 0,3 bis 0,5 mm. Diese Werte sind Startpunkte; Material, Schichthöhe und Lage im Bauraum verschieben sie. Bei Pressverbindungen oder Lagersitzen mit engen Vorgaben drucken wir vorab ein kleines Testsegment, statt das ganze Bauteil zu riskieren.

Bohrungen und Druckrichtung

Auch die Maßhaltigkeit hängt an der Druckrichtung. Senkrecht stehende Bohrungen werden in der Regel runder als waagrecht liegende, weil deren oberer Bogen als Überhang gedruckt wird und leicht absackt. Bohrungen fallen bei FDM tendenziell etwas kleiner aus als konstruiert. Für Passbohrungen mit enger Toleranz sehen wir deshalb ein kleines Übermaß zum Nachreiben vor oder setzen auf eine Nachbearbeitung, statt uns allein auf den Druck zu verlassen.

Praxis-Tipp aus der Werkstatt: Senden Sie uns die Konstruktion als STEP-Datei und markieren Sie Funktionsmaße in einer einfachen Zeichnung oder einem Screenshot. So wissen wir, welche Maße kritisch sind, und können die Druckrichtung gezielt nach diesen Flächen ausrichten.

So stimmen wir Infill, Wandstärke und Druckrichtung bei Funktionsteilen ab

Bei Funktions- und Ersatzteilen gehen wir die Stellschrauben in einer festen Reihenfolge durch: zuerst die Belastung, dann die Druckrichtung, danach Wandlinien und Deckschichten, erst dann das Infill und am Ende ein Probedruck. Diese Reihenfolge verhindert, dass ein Parameter teuer hochgedreht wird, obwohl ein anderer das eigentliche Problem löst.

Stabile Funktionsteile in fünf Schritten 1 Belastung Zug, Biegung, Druck oder Wärme? 2 Druckrichtung Hauptlast entlang der Schichten 3 Wände Wandlinien und Deckschichten 4 Infill Grad und Muster, lokal verstärken 5 Probedruck Passung und Last am Teil prüfen Erst wenn Schritt 2 und 3 ausgereizt sind, lohnt ein höherer Infill-Grad. braint3d.com

Abb. 3: Reihenfolge der Stellschrauben bei Funktionsteilen (Quelle: Braint3d)

Bei Ersatzteilen aus dem 3D-Drucker liefert das gebrochene Altteil oft die wichtigsten Hinweise: Wo es versagt hat, zeigt uns, welche Belastung wir unterschätzen dürfen und welche nicht. Fehlt eine CAD-Datei, rekonstruieren wir die Geometrie per 3D-Scan und CAD-Modellierung; dabei lassen sich Schwachstellen des Originals gleich konstruktiv verbessern, etwa durch Radien oder Rippen. Die Prinzipien dahinter beschreiben wir auch in unserem Beitrag Design trifft Engineering.

Bei Prototypen und Funktionsmustern ist die Lage etwas anders: Hier wollen Sie meist früh wissen, ob ein Konzept funktioniert, und das Bauteil später ohnehin im Spritzguss fertigen. Wir stimmen die Parameter dann so ab, dass der Prototyp sich möglichst ähnlich wie das spätere Serienteil verhält, und weisen darauf hin, wo die Anisotropie des Drucks das Testergebnis verfälschen kann. Für Konstruktion und Bauteiloptimierung finden Sie unsere Leistungen in CAD-Modellierung und 3D-Design im Überblick.

„Die beste Infill-Einstellung ist die, über die man nicht mehr nachdenken muss, weil die Konstruktion und die Lage im Drucker schon stimmen. Deshalb fragen wir bei jedem Funktionsteil zuerst, wie es eingebaut und belastet wird.“

– El-Bahrawy Yousef, Gründer Braint3d
Ersatzteil oder Funktionsmuster

Ihr Bauteil ist gebrochen? Wir fertigen es stabiler nach.

Ob CAD-Datei, Zeichnung oder nur das defekte Altteil: Wir analysieren die Schwachstelle, optimieren Konstruktion und Druckparameter und fertigen in unserer Wiener Werkstatt, vom Einzelstück bis 5.000 Stück. Das Erstgespräch inklusive Dateicheck ist kostenlos, Versand in ganz Österreich und nach Deutschland.

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Häufige Fragen zu Infill, Wandstärke und Toleranzen im 3D-Druck

Wie viel Infill braucht ein Funktionsteil?

Für viele Funktionsteile reichen 20 bis 40 Prozent Infill, sofern Wandlinien und Druckrichtung passen. Wichtiger als die Prozentzahl sind drei bis vier Wandlinien und eine Lage im Drucker, bei der die Hauptlast entlang der Schichten wirkt. Teile unter Druck oder mit Schraubpunkten verstärken wir zusätzlich gezielt in den belasteten Zonen.

Ist 100 Prozent Infill sinnvoll?

Nur in Ausnahmefällen, etwa bei sehr kleinen Teilen oder wenn ein Bauteil möglichst schwer und massiv sein soll. In den meisten Fällen steigen Druckzeit, Materialverbrauch und Verzugsrisiko deutlich, während die Festigkeit bei Biegung kaum zunimmt. Mehr Wandlinien und eine passende Druckrichtung bringen meist mehr als ein komplett gefülltes Bauteil.

Sind 3D-Druckteile so stabil wie Spritzgussteile?

FDM-Teile erreichen in der Schichtebene je nach Material eine gute Belastbarkeit, sind aber quer zu den Schichten schwächer als ein vergleichbares Spritzgussteil. SLA-Teile verhalten sich nahezu richtungsunabhängig. Für viele Halter, Vorrichtungen und Ersatzteile reicht das; für sicherheitskritische Serienbauteile bleibt Spritzguss oder Zerspanung meist die bessere Wahl.

Welche Datei brauchen Sie für den Dateicheck?

Am besten eine STEP-Datei, weil wir daran Wandstärken und Radien noch konstruktiv anpassen können. STL- oder OBJ-Dateien prüfen wir ebenfalls. Hilfreich sind zusätzlich Angaben zur Belastung, zum Einbauort und zu kritischen Maßen. Liegt gar keine Datei vor, erstellen wir das Modell per CAD-Konstruktion oder 3D-Scan.

Legt Braint3d die Druckparameter für mein Bauteil fest?

Ja. Wir wählen Material, Druckrichtung, Wandlinien und Infill passend zur beschriebenen Belastung und besprechen kritische Punkte vor dem Druck mit Ihnen. Bei engen Passungen oder hohen Lasten empfehlen wir einen Probedruck. Diese Abstimmung ist Teil des kostenlosen Erstgesprächs inklusive Dateicheck.

Fazit: Beim Infill im 3D-Druck entscheidet nicht die Prozentzahl

Stabile 3D-Druckteile entstehen aus dem Zusammenspiel von Druckrichtung, Wandlinien, Deckschichten, Infill und Konstruktion. Beim Infill im 3D-Druck genügen für die meisten Teile moderate Werte; die größeren Hebel sind drei bis vier Wandlinien, eine Lage im Bauraum passend zur Belastung und eine Konstruktion mit Radien und Rippen. Toleranzen von ±0,15 mm bei FDM und ±0,1 mm bei SLA sind realistisch, Passungen brauchen eingeplantes Spiel. Wo Anisotropie oder Stückzahl gegen den 3D-Druck sprechen, ist ein klassisches Fertigungsverfahren die ehrlichere Empfehlung.

Senden Sie uns Ihre Datei oder Ihre Idee über das Kontaktformular: Erstgespräch und Dateicheck sind kostenlos. Wir legen Druckrichtung, Wandstärke und Infill für Ihr Bauteil fest, fertigen in Wien und liefern in ganz Österreich und nach Deutschland. Telefonisch erreichen Sie uns unter +43 670 6590066.

Rajaei Hajiagha Arya & El-Bahrawy Yousef

Gründer, Braint3d OG

Rajaei Hajiagha Arya und El-Bahrawy Yousef sind die Gründer der Braint3d OG in Wien. Ihr Team begleitet Industriekunden, Entwickler und Privatkunden von der Idee bis zum fertigen Bauteil: 3D-Scan, CAD-Konstruktion, FDM- und SLA-Druck von 1 bis 5.000 Stück sowie Reparatur und Wartung von 3D-Druckern, unter anderem in Partnerschaft mit der Stadt Wien im Bildungsbereich. Jede Anfrage startet mit einem kostenlosen Erstgespräch inklusive Dateicheck.

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